Betroffenheitsstudie „Finanzielle Inklusion“
Der digitale Wandel im Zahlungsverkehr bedeutet Chancen für Effizienz und gesellschaftliche Teilhabe und zugleich aber auch das Risiko einer wachsenden finanziellen Exklusion bestimmter Bevölkerungsgruppen. Während Bargeld in Österreich nach wie vor eine zentrale Rolle spielt, ist in vielen Lebensbereichen eine zunehmende Verlagerung auf digitale Zahlungssysteme vorangeschritten. Diese Entwicklung wirft Fragen nach einer Zugangsgerechtigkeit, Kompetenzanforderungen und Vertrauensbasis digitaler Finanzsysteme auf.
Vor diesem Hintergrund gründete die Österreichische Nationalbank (OeNB) im Jahr 2024 die Arbeitsgruppe „Finanzielle Inklusion“ des „Forum on the Digital Euro“, mit dem Ziel, Rahmenbedingungen für eine gerechte Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen an der digitalen Transformation des Zahlungsverkehrs zu schaffen. Aufbauend auf einer qualitativen Analyse von Maßnahmen in EU-Staaten mit geringer Bargeldnutzung sowie auf der Identifikation von Barrieren für besonders gefährdete Personengruppen, soll die nun geplante Studie eine empirisch fundierte Quantifizierung der Betroffenheit von finanzieller Exklusion in Österreich liefern.
Die OeNB-Arbeitsgruppe hat in bisherigen Arbeitspaketen bereits jene Personengruppen identifiziert, die in besonderem Maße von finanzieller Ausgrenzung bedroht sind – darunter Menschen mit Behinderung, ältere Personen, Personen mit geringem Einkommen oder eingeschränktem Zugang zu digitalen Geräten sowie Personen mit Migrationshintergrund. Die geplante Studie soll eine bundesweite quantitative Erhebung des Ausmaßes digitaler finanzieller Exklusion in Österreich ermöglichen. Ziel ist die methodisch fundierte Quantifizierung der Betroffenheit verschiedener von Ausgrenzung bedrohter Gruppen sowie die Entwicklung eines Indexmodells, das individuelle Betroffenheitsgrade über verschiedene Zahlungsszenarien hinweg abbildet (E-Commerce, Peer-to-Peer, Point-of-Sale, Zahlungsannahme). Damit werden erstmals empirische Grundlagen geschaffen, um das Ausmaß, die Struktur und die Ursachen digitaler finanzieller Exklusion in Österreich zu bestimmen und evidenzbasierte Maßnahmen zur Förderung der finanziellen Inklusion zu entwickeln.
Mitarbeiter*innen: Andreas Riesenfelder, Claudia Sorger, Flavia Enengl, Katharina Aufhauser, Lisa Danzer, Ronja Nikolatti
von: 2025 bis: 2026